In den letzten Jahren beschäftigen sich Umweltbehörden und Wissenschaftler zunehmend mit einer organischen Verbindung namens Trifluoressigsäure (TFA). Dieser äußerst beständige Stoff ist heute in unserem Regenwasser, in Flüssen, im Grundwasser und sogar im Trinkwasser zu finden. Das Thema rückte erneut in den Vordergrund, als im Juni 2026 der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem eine Einstufungsempfehlung billigte und dabei festlegte, dass TFA ein reproduktionstoxischer Stoff der Kategorie 1B ist.
Das klingt zunächst alarmierend. Allerdings ist die Definition der Gefahr (Hazard) für die Risikobewertung begrenzt und wesentlich: Die Gefahreneinstufung zeigt, welche gefährlichen Eigenschaften ein Stoff grundsätzlich besitzt. Die eigentliche Gesundheitsgefährdung hängt jedoch davon ab, wie viel Menschen in Kontakt mit einer solchen Exposition kommen.
Die Umweltbundesamt (UBA) sieht TFAs derzeit jedoch nicht als Gesundheitsrisiko an, wenn die Konzentrationen unter dem gesundheitsbezogenen Trinkwasser-Leitwert von 60 Mikrogramm pro Liter liegen – selbst unter Berücksichtigung der neuen Forschung zur Reproduktionstoxizität.
Aus umweltbezogener Perspektive ist TFA jedoch weiterhin ein ernstes Problem. Der Stoff ist extrem persistent, in den Wasserkreislauf sehr gut mobil und lässt sich durch herkömmliche Prozesse der Wasseraufbereitung nur schwer entfernen.
Was ist TFA?
TFA steht für Trifluoressigsäure, auf Englisch trifluoroacetic acid. Seine chemische Formel lautet CF₃COOH.
In einer wässrigen Umgebung liegt TFA überwiegend als Ion Trifluoracetat vor, das aufgrund seiner Säure negativ geladen ist.
Nach einer heute weit verbreiteten, strukturorientierten Definition gehört TFA zur großen Stoffklasse der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS).
Die Stabilität der Kohlenstoff–Fluor-Bindungen macht PFAS aus vielen Gründen umweltrelevant, unter anderem aus den folgenden. Das bedeutet oft, dass der Stoff unter normalen Umweltbedingungen lediglich sehr persistent ist, aber nicht vollständig unzerstörbar (wie im Fall von TFA).
Aus diesem Grund führt das Umweltbundesamt weiter aus, dass TFA hoch persistent und hoch mobil ist. Persistent: Die Verbindung ist lange vorhanden (d. h. dass sie in der Umwelt überdauert). Mobil bezieht sich auf ihre hohe Löslichkeit in Wasser, wodurch sie sich leicht verlagern kann und nur schwach an Böden oder Sedimente gebunden wird.
Das ist es, was TFA von vielen anderen Schadstoffen unterscheidet. Stoffe, die im Boden stark in der Bodenmatrix zurückgehalten werden oder die einer biologischen Zersetzung unterliegen, können teilweise aus der Hydrosphäre verschwinden. Im Gegensatz dazu bleibt TFA hochmobil und kann sich mit dem Wasser über große Distanzen ausbreiten.
TFA gelangt in Trinkwasser ##
TFA kann direkt in die Umwelt gelangen. Bei den meisten handelt es sich jedoch um Stoffe, die erst während des Abbaus anderer fluorierter Chemikalien entstehen.
Verschiedene relevante Quellen finden sich im Umweltbundesamt.
Pestizide
Bestimmte Pestizide enthalten fluorierte Strukturen. TFA entsteht während des Abbaus dieser Wirkstoffe oder ihrer Abbauprodukte.
Wenn DDTs auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden, können Wirkstoffe und Abbauprodukte mit dem Regenwasser in den Boden ausgewaschen werden. Von dort kann TFA letztlich über diesen Pfad ins Grundwasser gelangen.
Dieser Weg ist für Deutschland besonders wichtig, weil ein erheblicher Anteil des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen wird.
Kältemittel
Eine zweite sind bestimmte fluorierte Kältemittel.
Beispielsweise gibt es R1234yf, das in Fahrzeug-Klimaanlagen und anderen Anwendungen verwendet wird. Gelangt es in die Atmosphäre, kann dort die Substanz bereits durch chemische Reaktionen zerfallen. Es entsteht u. a. TFA oder Trifluoracetat.
Die Verbindung gelangt anschließend über Regen, Schnee (Niederschlag) zurück zur Erde und gelangt wieder in die Gewässer.
Das Umweltbundesamt hat deutlich höhere TFA-Gehalte im Niederschlag im Vergleich zu früheren Jahrzehnten geschätzt.
Industrie und Abwasser
TFA kann auch direkt in Gewässer gelangen oder über seine Vorläuferstoffe aus industriellen Prozessen.
Forschungsergebnisse zeigen, dass industrielle Einleitungen lokal zu hohen TFA-Konzentrationen führen können, insbesondere im Wasserkreislauf. Konventionelle Abwasserbehandlungs-Effluente werden zudem nicht zuverlässig dazu erwartet, TFA abzubauen.
Darüber hinaus können einige fluorierte Vorläufersubstanzen sich nur durch biologische oder chemische Abbauprozesse zu TFA umformen.
Wie verbreitet ist TFA in Deutschland?
TFA kann nicht länger als eine Chemikalie beschrieben werden, die nur an einzelnen Industrie-Standorten nachweisbar ist.
Wie vom Bundesumweltamt (Umweltbundesamt) bestätigt, ist TFA in ganz Europa zu finden, einschließlich in
- Niederschlägen,
- Flüssen und Seen,
- Grundwasser,
- Meeren und
- Trinkwasser.
In Deutschland wird die Grenze zur Oberflächen- und Grundwasserbelastung in enormem Ausmaß verwischt. Gleichzeitig sind jedoch deutliche regionale Unterschiede und lokale Besonderheiten erkennbar.
Aber dazu gesagt: **Das Vorhandensein einer Substanz bedeutet nicht an sich, dass eine Exposition/ein Gesundheitsrisiko besteht, wenn sichere Konzentrationen eingehalten werden. **
Es ist daher notwendig, zwischen dem Vorhandensein einer Substanz und einem Expositionsniveau zu unterscheiden, das für die Gesundheit relevant ist, insbesondere im Zusammenhang mit TFA.
Ist TFA gefährlich?
TFA hat grundsätzlich gesundheitsrelevante Eigenschaften.
Konzentrierte Trifluoressigsäure ist eine aggressive ätzende Substanz. Diese Eigenschaft ist jedoch für Verbraucherinnen und Verbraucher beim Thema Trinkwasser von keiner echten Bedeutung, weil dort nur sehr stark verdünnte Konzentrationen vorkommen.
Was wir bei der Bewertung der gesundheitlichen Risiken vor allem im Blick haben sollten, sind mögliche Effekte bei längerem Gebrauch.
Im Juni 2026 hat der RAC (Ausschuss für Risikobeurteilung) der ECHA (Europäische Chemikalienagentur) eine Einstufung von TFA als Reproduktionstoxikant der Kategorie 1B genehmigt.
Kategorie 1B ist im europäischen Chemikalienrecht definiert als ein vermuteter menschlicher Reproduktionstoxikant; das bedeutet, dass es datenbasiert, aber nicht ausreichend begründet ist, sich über das Risiko einer fetalen Exposition durch eine unangemessene plazentare Übertragung oder eine uterine Fetotoxizität in kritischen Entwicklungsphasen Sorgen zu machen. Solche Einstufungen können sich insbesondere auf robuste Ergebnisse aus Tierversuchen stützen.
Der RAC stützte außerdem die Einstufungen hinsichtlich der hohen Persistenz und Mobilität von TFA.
Zunächst ist das eine Frage der Gefahrenbewertung.
Sie beantwortet die Frage:
Welche grundlegenden Eigenschaften kann eine toxische Substanz haben? **
Und hier möchten wir die Risikobewertung abgrenzen von:
Wie wahrscheinlich ist eine gesundheitliche Schädigung bei einem bestimmten Aufnahmeniveau dieser Substanz? **
Bei jeder gegebenen Konzentration – außer bei gefährlichen Brennpunkten – ist selbst eine gefährliche Verbindung nicht zwangsläufig ein relevantes Gesundheitsrisiko.
Welche Gefahrenstufe hat TFA in Trinkwasser?
Für TFA gilt ein gesundheitsbasiertes Leitwertkriterium für Trinkwasser von 1.
60 Mikrogramm pro Liter (µg/L)
Das UBA führt aus, dass die Aufnahme von Trinkwasser über die gesamte Lebenszeit keine gesundheitlichen Schäden verursacht, wenn dieser Wert eingehalten wird. In die Ableitung fließen Annahmen zur pro Kopf und Tag verzehrten Wassermenge sowie toxikologische Sicherheitsfaktoren ein.
Das Bundesumweltamt hat die gesundheitliche Risikoeinschätzung erneut vorgenommen, nachdem einige weitere, neuere Erkenntnisse zur Reproduktionstoxizität veröffentlicht worden waren.
Das UBA betonte, dass es nach wie vor keinen Grund gibt, den gesundheitsbasierten Leitwert von 60 µg/L zu senken.
Der wichtigste toxikologische Endpunkt, der bisher mit hoher Sicherheit bestimmt wurde, betrifft Wirkungen auf die Leber. Das UBA gibt außerdem an, dass der daraus abgeleitete entsprechende Leitwert niedrig genug ist, um vor möglichen Reproduktionstoxizitäts-Effekten zu schützen.
Das bedeutet:
**Reproduktionstoxikant-Kategorie 1B heißt nicht, dass Leitungswasser in Deutschland automatisch gefährlich für die Gesundheit ist. Es kommt nur darauf an, wie viel davon tatsächlich vorhanden ist. **
Ist 60 µg/l ein gesetzlicher Grenzwert?
Nein.
Die 60 µg/l sind eine gesundheitsbezogene Trinkwasser-Leitlinie des Umweltbundesamtes. In der deutschen Trinkwasserverordnung handelt es sich dabei nicht um einen eigenen rechtlich verbindlichen Grenzwert für TFA.
An dieser Stelle ist TFA nicht als separater Parameter enthalten, mit einem eigenen Grenzwert an diesem Standort.
Es gibt jedoch auch zusätzliche Bewertungs-, Orientierungs- oder Schwellenwerte, die für andere rechtliche Anforderungen (oder zu Vorsorgezwecken) verwendet werden.
Beispielsweise können für Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln hinsichtlich Oberflächengewässern, Landwirtschaft/Pflanzenschutz und Trinkwasser andere – und in bestimmten Fällen deutlich niedrigere – Bewertungswerte gelten.
Wichtig ist, dass diese Werte nicht mit dem toxikologisch begründeten Trinkwasser-Leitwert von 60 µg/l gleichzusetzen sind.
Aber es gibt doch bereits einen Grenzwert für PFAS?
In Deutschland gelten Anforderungen für die Summe von PFAS-20 im Trinkwasser seit dem 12. Januar 2026. Der Wert ist wie folgt definiert: Grenzwert Summe der 20 PFAS = 0,10 µg/l (ng/l)
Dieser Wert wird auf den ersten Blick so wirken, als würde er auch für TFA gelten.
Das ist jedoch nicht der Fall.
Die Trinkwasserverordnung listet die 20 PFAS, die in diesen Summenparametern berücksichtigt werden, eindeutig auf. **TFA ist nicht enthalten. **
Die kombinierte Gesamtsumme für vier der umweltrelevantesten PFAS erfordert zusätzliche Grenzwerte ab dem 12. Januar 2028. Auch in diesem Summenparameter gibt es kein TFA.
Schließlich bedeutet die Tatsache, dass TFA nach einer weit gefassten chemischen Definition ein Mitglied der PFAS-Klasse ist, nicht zwangsläufig, dass die Verbindung alle gesetzlichen PFAS-Summenparameter erfüllt.
Ist TFA nach wie vor ein Umweltproblem?
Die Hauptsorge ist jetzt nicht so sehr eine akute Vergiftung nach dem Genuss von Trinkwasser, sondern der allmähliche Anstieg der Umweltbelastungen.
TFA vereint zwei problematische Eigenschaften:
Es baut sich in der Umwelt so unglaublich langsam ab, doch gleichzeitig ist es sehr mobil im Wasser. **
Damit können Umweltbelastungen durch die Verfügbarkeit zusätzlicher Einträge über lange Zeiträume entstehen.
Das Umweltbundesamt (UBA) betont, dass TFA sehr persistent ist – unter normalen Umweltbedingungen – und gleichzeitig nur schwach an Boden oder Sediment adsorbiert.
So kann es sich über den Wasserkreislauf verbreiten und zu einer langfristigen Kontamination der Rohwässer führen, die für die Trinkwassergewinnung genutzt werden.
Genau das unterscheidet das Problem von einer akuten Verunreinigung durch Schadstoffe wie im „Gartenbereich“.
Obwohl die gemessenen Konzentrationen vielerorts klar unter gesundheitsrelevanten Werten liegen, erscheint es umso umsichtiger, weitere Einträge so bald wie möglich einzuschränken. Die anschließende Entfernung von TFA, nachdem es sich im Grundwasser ausgebreitet hat, ist technisch sehr schwierig und teuer.
Wird TFA in einer Wasseraufbereitungsanlage herausgefiltert?
Nur mit bestimmten Verfahren.
Die meisten herkömmlichen Methoden zur Trinkwasseraufbereitung haben für TFA nur eine begrenzte Wirksamkeit.
Aktivkohle
Eine große Zahl kohlenstoffhaltiger Materialien wird durch den Einsatz von Aktivkohle entfernt. Für TFA ist ihr Nutzen jedoch eher gering.
Trifluoracetat (TFA) ist eine sehr kleine, stark wasserlösliche organische Verbindung und weist nur eine geringe Adsorptionsneigung gegenüber herkömmlicher Aktivkohle auf.
Ozonierung und UV-Behandlung
TFA wurde auch bei konventionellen Ozonierungs- oder UV-Prozessen nicht wirksam entfernt.
Wegen seiner hohen chemischen Stabilität.
Umkehrosmose
Wenn du das googlest, wirst du sehen, dass eine der besten (wenn nicht die beste) Methoden, um TFA in erheblichem Ausmaß zu reduzieren, mit Umkehrosmose ist.
Bei diesem Verfahren wird Wasser mit hohem Druck durch eine Membran gepresst, die viele gelöste Bestandteile zurückhält.
Es ist anerkannt, dass TFA bei der Umkehrosmose in hohem Maße zurückbleiben kann. Aber das Verfahren hat Nachteile: Es verbraucht Energie, verursacht Kosten und erzeugt einen Strom aus konzentriertem Konzentrat, der alle abgetrennten Stoffe enthält.
Das bedeutet, dass die Chemikalie zwar zuerst vom Wasserstrom getrennt wird, aber sie wird nicht automatisch zerstört.
Deshalb kann die Umkehrosmose aus einer systematischen Perspektive nicht als einfache und nachhaltige Möglichkeit angesehen werden, gegen TFA vorzugehen.
Hilft die Verwendung eines Wasserfilters zu Hause gegen TFA?
Mein Rat ist: Gehen Sie nicht davon aus, dass typische Tischwasserfilter mit Aktivkohle TFA zuverlässig entfernen. Adsorptionsbasierte Verfahren halten sehr kurzkettige PFAS (also TFA) weniger zuverlässig zurück als viele größere PFAS-Moleküle. In der Praxis hängt die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Haushaltsfiltern außerdem vom jeweiligen Filtersystem selbst sowie von anderen Parametern ab, etwa vom Alter des Filtermaterials oder von der Wasserzusammensetzung und den Betriebsbedingungen.
Haushaltsanlagen zur Umkehrosmose können grundsätzlich in der Lage sein, einen großen Anteil von TFA zu entfernen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein solches System in jedem Haushalt sinnvoll oder erforderlich ist.
Relevante TFA-Konzentrationen unterliegen inzwischen besonderen Grenzwerten, die vom Umweltbundesamt festgelegt wurden. Zudem gilt es nicht als erforderlich, Trinkwasser aus dem Hahn allein aufgrund einer hohen TFA-Konzentration zu verbieten, wenn die Werte unter der gesundheitsbezogenen Orientierungsgröße bleiben, die durch wissenschaftliche Evidenz gestützt ist.
Ist TFA ein Grund, kein Wasser in Flaschen zu trinken?
Nicht automatisch.
Aus der Tatsache, dass Wasser als Mineralwasser vermarktet wird, lässt sich schlicht kein Schluss ziehen, dass der TFA-Gehalt niedriger war.
Es hängt von der Wasserquelle und der Konzentration ab, bei der Sie messen. Wer also wissen möchte, wie stark sich die TFA-Konzentration von einem Trinkwasser zum anderen unterscheidet, braucht einen spezifischen Messwert.
Da TFA natürlich keine rechtlich eigenständige Kenngröße im Rahmen der Trinkwasserverordnung ist, muss es deshalb nicht in jeder Veröffentlichung enthalten sein, die der Trinkwasseranalyse zugrunde liegt. Um sich über TFA-Konzentrationen in Trinkwasseranlagen beraten zu lassen, können Verbraucher ihre örtliche Wasserversorgung fragen, ob TFA bewertet wurde und welche Messergebnisse verfügbar sind.
Ist deutsches Leitungswasser noch in Ordnung?
Eine derart allgemeine Behauptung, dass TFA aus Trinkwasser in Deutschland gesundheitsschädlich sei, lässt sich nach dem aktuellen Stand des Wissens jedoch nicht rechtfertigen.
Grundsätzlich ist die Trinkwasserqualität in Deutschland hervorragend. In der öffentlichen Wasserversorgung werden die erforderlichen Grenzwerte für gesetzlich überwachte mikrobiologische und chemische Parameter in 99% der Fälle erfüllt.
Aber TFA stellt eine zusätzliche Herausforderung für die Versorgung mit Trinkwasser dar.
Einige konventionelle Schadstoffe wie Metalle lassen sich durch technisch ähnlich gelagerte Maßnahmen recht effektiv entfernen, doch andere Chemikalien, die hochpersistierend und mobil sind, sind extrem schwer zu handhaben. Nachdem sie sich leicht über Wasserressourcen ausbreiten, werden sie sehr schwierig und teuer zu behandeln.
So ist verständlich, warum sich die Aufmerksamkeit in der TFA zunehmend der Frage zugewandt hat: Wie können Einträge an der Quelle reduziert werden.
TFA wird gezielt — Wie wissen wir das?
Bisher wurde TFA in verschiedenen europäischen Regulierungsprozessen herangezogen.
Deutschland hatte u. a. wegen seiner reproduktionstoxischen Eigenschaften und seiner physikochemischen Eigenschaften als stark persistenter Stoff mit hoher Mobilität eine einheitliche harmonisierte Einstufung für diese Substanz vorgeschlagen. In einer ähnlichen Bewertung, der letztlich das Ergebnis von ECHA folgte, übernahm man vor allem die Mehrheitsfeststellungen im Juni 2026 im RAC-Ausschuss.
Parallel dazu läuft auf europäischer Ebene ein umfangreicher Prozess zur Beschränkung vieler PFAS.
Auch Umweltbehörden verfolgen das Ziel, vermeidbare TFA-Einträge aus der Quelle so weit wie möglich zu entfernen. Einige fluorierte Pflanzenschutzmittel, industrielle Emissionen und andere potenzielle TFA-Quellen umfassen fluorierte Kältemittel sowie Vorläuferstoffe, aus denen TFA gebildet werden kann.
Für unterschiedliche Kälteanwendungen werden beispielsweise auch natürliche Kältemittel wie Kohlendioxid (R744), Propan (R290) oder Ammoniak (R717) angeboten, die bei einem Verlust nicht in TFA zerfallen.
Fazit: Wie riskant ist TFA in Trinkwasser?
Angesichts der derzeitigen Erkenntnisse ist TFA in Deutschland kein Grund für eine generelle Vermeidung von Leitungswasser.
Auf Grundlage der Bewertung der Bundesumweltbehörde ist selbst im Fall einer lebenslangen Exposition (über einen Zeitraum von 70 Jahren) gegenüber Konzentrationen bis zum gesundheitsbezogenen Trinkwasserleitwert von 60 µg/l keine Schädigung der Gesundheit zu erwarten.
Dies wird auch nicht zwingend durch eine spätere Bewertung im Oktober 2023 durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) widersprochen. Die erste bewertet TFA, stuft es als reproduktionstoxischen Stoff, Kategorie 1B, ein — also als Gefahr, die von der Substanz selbst ausgeht. Entscheidend ist, wie viel man aufnimmt, ob dadurch eine konkrete Gesundheitsgefahr entsteht oder nicht.
Die schwerwiegendere Frage für die Umwelt und damit für das menschliche Leben künftiger Generationen geht tiefer.
TFA ist sehr persistent, ist hoch wasserlöslich und lässt sich mit herkömmlichen Verfahren nicht aus Wasser entfernen. Das wiederum könnte zu einem Anstieg der Konzentrationen in Grund- und anderen Trinkwasserressourcen führen, wenn die Einträge weiter zunehmen.
Dadurch ist TFA weniger eine Frage einer Notlage mit Trinkwasser, sondern vielmehr ein systemischer Mangel in der modernen chemischen Regulierung:
Für Stoffe, die in der Umwelt nahezu nicht abbaubar sind und über den gesamten Wasserkreislauf verteilt werden, ist es über mehrere Stufen hinweg wesentlich leichter und kostengünstiger, sie nicht freizusetzen, statt sie danach aus dem Wasser zu entfernen.
Stand: 29. Juli 2026
Quellen
- Umweltbundesamt: „FAQ: Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA)“, aktualisiert am 26. Juni 2026.
https://www.umweltbundesamt.de/en/node/308602 - European Chemicals Agency (ECHA): Registry of CLH Intentions – Trifluoroacetic acid.
https://echa.europa.eu/de/registry-of-clh-intentions-until-outcome/-/dislist/details/0b0236e188e6e587 - European Chemicals Agency (ECHA): Informationen zum europäischen PFAS-Beschränkungsverfahren.
https://echa.europa.eu/hot-topics/perfluoroalkyl-chemicals-pfas - Umweltbundesamt: Informationen und Bewertungen zu Trifluoressigsäure und dem gesundheitlichen Trinkwasserleitwert.
- Trinkwasserverordnung: Anlage 2 – chemische Parameter.
https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/anlage_2.html - Umweltbundesamt: „Trifluoressigsäure (TFA): Bewertung für Einstufung in neue Gefahrenklassen vorgelegt“, 26. Mai 2025.
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/trifluoressigsaeure-tfa-bewertung-fuer-einstufung - Umweltbundesamt: „Chemikalieneintrag in Gewässer vermindern – Trifluoracetat (TFA) als persistente und mobile Substanz mit vielen Quellen“.
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/chemikalieneintrag-in-gewaesser-vermindern - Umweltbundesamt: „Trifluoressigsäure aus fluorierten Kältemitteln belastet Regenwasser“.
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/trifluoressigsaeure-aus-fluorierten-kaeltemitteln - Scheurer, M., Nödler, K., Freeling, F., Janda, J., Happel, O. et al. (2017). Small, mobile, persistent: Trifluoroacetate in the water cycle – Overlooked sources, pathways, and consequences for drinking water supply. Water Research, 126, 460–471.
https://doi.org/10.1016/j.watres.2017.09.045 - DVGW: Forschungsprojekt „TFA-Trink – Bestandsaufnahme zur Betroffenheit der deutschen Wasserversorgung“.
https://www.dvgw.de/themen/forschung-und-innovation/forschungsprojekte/dvgw-forschungsprojekt-tfa-trink - Umweltbundesamt: Daten zur deutschen Trinkwasserversorgung und Trinkwasserqualität.
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/wasser/wasserwirtschaft
Ergänzende Fachliteratur
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https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.4c06189
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https://link.springer.com/article/10.1007/s10311-025-01890-z




