Warum investieren Menschen Zeit und Geld in Kleidung und Frisuren? Geht es nur um Mode – oder beeinflusst unser Erscheinungsbild tatsächlich, wie wir wahrgenommen werden? Zwei psychologische Studien liefern interessante Antworten.
Kleidung kann die Wahrnehmung eines potenziellen Partners verändern
Bereits 1990 untersuchten John Marshall Townsend und Gary D. Levy den Einfluss von Kleidung und körperlicher Attraktivität auf die Partnerwahl.
In ihrer Studie bewerteten 224 Studierende Fotos derselben Personen, die entweder Kleidung mit hohem, mittlerem oder niedrigem sozioökonomischem Status trugen. Anschließend gaben die Teilnehmenden an, wie attraktiv sie die Personen fanden und ob sie sich verschiedene Arten von Beziehungen vorstellen konnten.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Frauen ließen sich bei der Bewertung potenzieller männlicher Partner stärker vom durch Kleidung signalisierten Status beeinflussen als Männer.
- Besonders bei durchschnittlich attraktiven Männern konnte hochwertige Kleidung deren Attraktivität und Eignung als Partner deutlich erhöhen.
- Männer bewerteten Frauen dagegen überwiegend nach ihrer körperlichen Attraktivität; die Kleidung hatte auf ihre Einschätzungen deutlich weniger Einfluss.
Die Autoren erklären diese Ergebnisse mit evolutionären Theorien der Partnerwahl: Status kann ein Hinweis auf Ressourcen und Stabilität sein und spielt deshalb insbesondere bei langfristigen Partnerschaften eine Rolle. Diese Interpretation ist allerdings nur eine von mehreren möglichen Erklärungen und wird in der Forschung weiterhin diskutiert.
Können Schönheitsratschläge von Konkurrenz beeinflusst werden?
Eine aktuelle Studie von Danielle Sulikowski und Kolleginnen (2024) untersuchte einen völlig anderen Aspekt sozialer Interaktionen zwischen Frauen.
Die Forschenden wollten wissen, ob Frauen mit einer höheren intrasexuellen Wettbewerbsorientierung anderen Frauen eher empfehlen, mehr Haare abschneiden zu lassen. In zwei Experimenten mit insgesamt 450 Teilnehmerinnen sollten die Probandinnen hypothetischen Kundinnen eines Friseursalons Empfehlungen geben. Zusätzlich wurde ihre Wettbewerbsorientierung gegenüber anderen Frauen erfasst.
Die Ergebnisse
Die Auswertung zeigte:
- Frauen mit einer stärkeren intrasexuellen Wettbewerbsorientierung empfahlen im Durchschnitt, mehr Haare abzuschneiden.
- Dieser Zusammenhang war besonders ausgeprägt, wenn das Haar der Kundin gesund war und sie eigentlich möglichst wenig abschneiden lassen wollte.
- Insgesamt empfahlen Teilnehmerinnen besonders attraktiven Frauen, die sie als ähnlich attraktiv wie sich selbst einschätzten, tendenziell die größten Kürzungen.
Die Autorinnen interpretieren dies als möglichen Ausdruck subtiler Konkurrenz zwischen Frauen. Gleichzeitig betonen sie, dass ihre Ergebnisse statistische Zusammenhänge zeigen und nicht bedeuten, dass Frauen grundsätzlich anderen Frauen absichtlich schaden möchten.
Was lässt sich daraus lernen?
Beide Studien zeigen, dass äußere Merkmale soziale Signale senden:
- Kleidung kann Hinweise auf Status, Persönlichkeit oder Lebensstil vermitteln.
- Haare gelten in vielen Kulturen als wichtiges Merkmal weiblicher Attraktivität.
- Bewertungen anderer Menschen werden nicht nur durch objektive Merkmale beeinflusst, sondern auch durch soziale Motive und den jeweiligen Kontext.
Dennoch sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Die Kleidungsstudie stammt aus dem Jahr 1990 und wurde an einer US-amerikanischen Studierendenstichprobe durchgeführt. Zudem konnte eine neuere Replikationsstudie zentrale Geschlechterunterschiede nicht vollständig bestätigen, was zeigt, dass sich Partnerpräferenzen im Laufe der Zeit und zwischen Stichproben unterscheiden können.
Fazit
Die beiden Studien verdeutlichen, wie stark Kleidung und Frisuren soziale Wahrnehmung beeinflussen können. Gleichzeitig erinnern sie daran, dass menschliches Verhalten komplex ist. Einzelne Studien liefern interessante Hinweise, aber keine allgemeingültigen Regeln für alle Menschen. Persönlichkeit, gemeinsame Werte, Kommunikation und gegenseitiger Respekt bleiben die wichtigsten Grundlagen erfolgreicher Beziehungen.
Quellen
- Townsend, J. M., & Levy, G. D. (1990). Effects of Potential Partners‘ Costume and Physical Attractiveness on Sexuality and Partner Selection. The Journal of Psychology, 124(4), 371–389. DOI: 10.1080/00223980.1990.10543232.
- Sulikowski, D., Williams, M., Nair, G., Shepherd, B., Wilson, A., Tran, A., & Wagstaff, D. (2024). Off with her hair: Intrasexually competitive women advise other women to cut off more hair. Personality and Individual Differences, 216, 112406. DOI: 10.1016/j.paid.2023.112406.
- Henderson, E. K. (2022). Socioeconomic Status and Physical Attractiveness in Partner Selection 32 Years Later: An Empirical Replication and Extension of Townsend and Levy (1990). Dissertation, Brigham Young University.




